
Das OM System 90mm f/3.5 Macro IS PRO ist ein Objektiv, das für eine sehr spezielle Nische im Micro-Four-Thirds-System entwickelt wurde: die High-End-Makrofotografie. Mit einer Brennweite, die einem 180mm-Objektiv im Vollformat entspricht, und einer tatsächlichen Vergrößerung von 2:1 liegt es über den meisten nativen Makro-Objektiven des Systems, die üblicherweise auf ein Verhältnis von 1:1 beschränkt sind.
Diese extreme Vergrößerungsfähigkeit, kombiniert mit integrierter Bildstabilisierung und einer professionellen Verarbeitungsqualität, macht es zu einem Werkzeug, das für maximale Leistung in der Makrofotografie konzipiert ist, obwohl es Kompromisse gibt, die es sich lohnt, genau zu betrachten.
Bauweise und Design
Das 90mm f/3.5 behält die Ästhetik und Verarbeitungsqualität der PRO-Serie von OM System bei: ein robustes Gehäuse, staub- und spritzwasserfest sowie kältebeständig, mit einem für seine Größe moderaten Gewicht von 453 Gramm. Trotz seiner physischen Länge bleibt es ein handhabbares Objektiv, wobei hier die Griffigkeit der verwendeten Kamera eine wichtige Rolle spielt.
Das Design des Fokusrings ermöglicht es, diesen zu verschieben, um schnell zwischen Autofokus und manuellem Fokus umzuschalten. Außerdem sind auf dem Objektivtubus eine Entfernungs- und eine Vergrößerungsskala angebracht. Zusätzlich verfügt es über einen anpassbaren (L-Fn) Knopf, einen Fokussierbereichsbegrenzer und ein 62mm Filtergewinde.
Makrofähigkeit und Arbeitsabstand
Einer der größten Vorteile dieses Objektivs gegenüber anderen ist, dass es hohe Vergrößerungen ermöglicht, ohne dass man sich praktisch direkt auf das Motiv zubewegen muss. Selbst bei maximaler Vergrößerung (2:1) bietet es einen Arbeitsabstand von etwa 6 cm vom vorderen Objektivrand, was ausreichend Platz lässt, um die Szene richtig zu beleuchten und mit empfindlichen oder sich bewegenden Motiven zu arbeiten.
Das 2:1-Verhältnis kann über einen „S-Macro“-Schalter aktiviert werden, der intern die Fokusgruppe anpasst, um diese Vergrößerungsstufe zu ermöglichen. Das Objektiv ist außerdem kompatibel mit den Telekonvertern MC-14 (1,4x) und MC-20 (2x), mit denen ein Vergrößerungsverhältnis von bis zu 4:1 erreicht werden kann – allerdings auf Kosten von Lichtstärke und möglicher Beugung.

▌Das OM System 90mm f/3.5 Macro IS PRO verfügt über einen gleitenden Fokusring, der ein sofortiges Umschalten zwischen Autofokus und manuellem Fokus ermöglicht und zudem die Entfernungs- und Vergrößerungsskalen am Objektivtubus anzeigt. Es verfügt über eine anpassbare Taste (L-Fn), einen Fokusbereichswahlschalter für höhere Präzision und einen 62-mm-Filtergewindeanschluss zur einfachen Verwendung von Zubehör.
Bildqualität
Optisch bietet das 90mm f/3.5 Macro IS PRO eine herausragende Leistung. Schon bei Blende f/3.5 zeigt es eine exzellente Schärfe und Kontrast in der Bildmitte, mit sehr gut kontrollierten Bildrändern. Bei Blende f/5.6 wird der optimale Punkt erreicht, wobei die Verbesserungen aufgrund des hohen Niveaus bereits ab der größtmöglichen Blende minimal sind. Ab Blende f/8 wird die Beugung zunehmend sichtbar, weshalb es ratsam ist, statt einer starken Abblendung auf Fokus-Stacking zu setzen.
Das Objektiv kontrolliert sehr gut die longitudinalen chromatischen Aberrationen (auch bekannt als LoCA), die auftreten, wenn Farben nicht exakt auf denselben Punkt fokussiert werden und Farbsäume (meist grün oder magenta) vor oder hinter der Fokusebene entstehen. Diese Art von optischem Fehler ist besonders problematisch in der Makrofotografie, da er bei sehr geringer Schärfentiefe und hohem Detailgrad stärker auffällt.
In diesem Fall ist die Leistung ausgezeichnet: Selbst in den unscharfen Bereichen, in denen diese Aberration normalerweise am stärksten wahrgenommen wird, sind kaum Spuren von LoCA erkennbar. Das ist besonders wertvoll, da sich diese Aberrationen in der Nachbearbeitung nur schwer vollständig korrigieren lassen.

▌OM System OM-1 mit M.Zuiko Digital ED 90mm f/3.5 Macro IS Pro. 1/200 s, f/14, ISO 200. Foto von Bridgette Gower

▌OM System OM-1 mit M.Zuiko Digital ED 90mm f/3.5 Macro IS Pro. 1/100 s, f/8, ISO 200. Foto von Chris McGinnis

▌OM System OM-1 mit M.Zuiko Digital ED 90mm f/3.5 Macro IS Pro. 1/250 s, f/10, ISO 200. Foto von Jamie Rosencrans

▌OM System OM-1 mit M.Zuiko Digital ED 90mm f/3.5 Macro IS Pro. 1/80 s, f/8, ISO 1000. Foto von Lisa & Tom Cuchara
Fokus und Stabilisierung
Das Autofokussystem ist überraschend effektiv (die meisten Makroobjektive – unabhängig von ihrer Preisklasse – zeigen bei sehr kurzen Entfernungen Einschränkungen im Autofokus, bedingt durch die inhärente Schwierigkeit des AF-Systems unter diesen Bedingungen) und bleibt für Makrofotografie nutzbar sowie im allgemeinen Gebrauch sehr zuverlässig. Für maximale Präzision bietet der manuelle Fokus – wenn auch elektronisch („by wire“) – eine gute Kontrolle, besonders in Kombination mit Fokusschienen.
Die Bildstabilisierung ist eines der herausragenden Merkmale dieses Objektivs. Es verfügt über ein auf Makrofotografie optimiertes 5-Achsen-Stabilisierungssystem namens Sync IS, das laut CIPA-Standards bis zu 7 Blendenstufen Verwacklungs-Ausgleich bietet. Diese Fähigkeit ermöglicht Aufnahmen aus der Hand selbst bei extremen Vergrößerungen wie 4x (entspricht 8x im Vollformat), ohne dass ein Stativ notwendig ist. Außerdem verbessert Sync IS in Kombination mit kompatiblen OM System-Kameras die Stabilität im Sucher und erleichtert die Bildkomposition sowie den Fokus bei maximaler Vergrößerung.
Über Sync IS
Sync IS ist eine Technologie von OM System, die die Synchronisation zwischen der Stabilisierung im Kameragehäuse (IBIS) und der im Objektiv ermöglicht, um eine kombinierte Kompensation von bis zu 7 Blendenstufen zu erreichen, wie bereits erwähnt. Um diese Funktion mit dem M.Zuiko 90mm f/3.5 Macro IS PRO nutzen zu können, muss das Objektiv mit Kameragehäusen verwendet werden, die mit Sync IS kompatibel sind. Dazu gehören die fortschrittlichsten Kameras des Systems, wie die OM System OM-1 und OM-5 sowie die Modelle Olympus E-M1X, E-M1 Mark III, E-M1 Mark II und E-M5 Mark III. Ältere Modelle wie die E-M10 (in allen Versionen) oder die E-M5 Mark II sind dagegen nicht mit dieser Technologie kompatibel und können die interne Stabilisierung zwar nutzen, aber nicht mit der des Objektivs kombinieren.
Bokeh und optischer Charakter
Das Bokeh ist im Allgemeinen ansprechend und weich bei normalen Aufnahmeentfernungen. Bei extremen Makroaufnahmen kann es jedoch etwas unberechenbarer werden: In Gegenwart von spiegelnden Reflexionen oder hellen Hintergründen können konzentrische Ringe („onion rings“) und ein unruhigeres Bokeh auftreten. Ohne diese Elemente behält das Bokeh einen weichen Charakter mit angenehmen Übergängen.
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten über Makro hinaus
Obwohl das Objektiv eindeutig als Makroobjektiv konzipiert ist, macht seine Brennweite es auch zu einer geeigneten Option für komprimierte Porträts oder sogar Nahaufnahmen in der Naturfotografie. Bei diesen sekundären Anwendungen ist der Autofokus schnell und präzise, und die Stabilisierung bleibt ein deutlicher Vorteil.
Überlegungen und Einschränkungen
- Der elektronische Fokus, obwohl gut umgesetzt, bringt eine leichte Verzögerung mit sich, was die feine Kontrolle in bestimmten Situationen beeinträchtigen kann.
- Trotz seiner hervorragenden optischen Leistung wird nicht empfohlen, die Blende über f/8 hinaus zu schließen, da dies aufgrund von Beugung zu einem Schärfeverlust führen kann.
- Der hohe Preis positioniert es eindeutig als Werkzeug für fortgeschrittene Anwender oder Profis. Es ist kein Einstiegsobjektiv, sondern eine Investition für diejenigen, die seine speziellen Fähigkeiten benötigen.
Fazit
Das Olympus 90mm F3.5 Macro ist eine außergewöhnliche Optik im Micro-Four-Thirds-System. Es bietet eine Bildwiedergabe von 2:1 ohne zusätzliche Zubehörteile, eine effektive Sync IS Stabilisierung, eine robuste Konstruktion und eine erstklassige optische Leistung. All dies macht es zu einem Referenzwerkzeug für Fotografen, die sich auf Makrofotografie spezialisiert haben.
Dennoch wirft dieses Angebot auch eine berechtigte Frage auf: Lohnt sich das im Vergleich zu erschwinglicheren und leichteren Alternativen? Zum Beispiel kann das Olympus 60mm f/2.8 in Kombination mit einer Nahlinse von Raynox eine Vergrößerung von bis zu 1,65:1 erreichen, mit einer Bildqualität, die der des 90mm nicht allzu sehr nachsteht. Zudem ist diese Alternative kompakter, leichter, günstiger und vielseitiger, was für viele Fotografen praktischer sein kann, besonders für diejenigen, die mit Insekten oder bei längeren Außeneinsätzen arbeiten.
Das 90mm macht vor allem dann Sinn, wenn wirklich eine Vergrößerung von 2:1 oder sogar 4:1 mit Telekonvertern benötigt wird, wenn eine größere Arbeitsdistanz besonders geschätzt wird und wenn der Einsatz von Nahlinsen oder anderem externem Zubehör vermieden werden soll. Für die breite Mehrheit der Makrofotografen bietet die Kombination aus 60mm und Raynox jedoch ein attraktiveres Gleichgewicht zwischen Leistung, Tragbarkeit und Preis.
Kaufe das M. Zuiko 90mm f/3.5 Macro

Zuiko 90mm F3.5
Technische Daten
- Bajonett: Micro Four Thirds
- Brennweite: 90 mm (entspricht 180 mm im Vollformat)
- Maximale Blende: f/3,5
- Minimale Blende: f/22
- Optischer Aufbau: 18 Elemente in 13 Gruppen, darunter 2 SED-, 4 ED-, 1 Super HR- und 1 HR-Linse
- Anzahl der Blendenlamellen: 7 (runde Blende)
- Minimale Fokussierentfernung: 0,224 m
- Maximale Vergrößerung: 2,0x (entspricht 4,0x im Vollformat)
- Bildstabilisierung: Ja; bis zu 6 Stufen mit Objektivstabilisierung und bis zu 7 Stufen mit synchronisierter Stabilisierung (Sync IS) bei kompatiblen Kameras
- Fokusantrieb: VCM
- Interner Fokus: Ja
- Fokusbegrenzer: Drei Positionen: Makro, 0,25–0,5 m, 0,25 m–unendlich
- Stabilisator-Schalter: Ja
- Individualisierbare L-Fn-Taste: Ja
- Filtergewinde: 62 mm
- Abmessungen: 69,8 mm Durchmesser x 136 mm Länge
- Gewicht: 453 g (ohne Deckel und Sonnenblende)
- Wetterbeständigkeit: Ja; staub- und spritzwassergeschützt, IP53 zertifiziert
- Beschichtung der Frontlinse: Fluorierte Beschichtung zum Abweisen von Wasser und Öl
- Lieferumfang: Vorder- und Rückdeckel, Sonnenblende LH-66E, Transporttuch CS-53

Telekonverter Olympus MC-14
Technische Daten
- Bajonettanschluss: Micro Four Thirds (MFT)
- Vergrößerungsfaktor: 1,4x (erhöht die Brennweite des Hauptobjektivs um 40 %)
- Lichtverlust: 1 Blendenstufe (1 EV)
- Optisches Design: 6 Elemente in 3 Gruppen, einschließlich 1 HR-Linse (High Refractive)
- Beschichtung: ZERO (Zuiko Extra-low Reflection Optical) zur Reduzierung von Reflexionen und Geisterbildern
- Abmessungen: Ø58,8 mm × 14,7 mm (ohne Vorsprünge von Linse und Bajonett)
- Gewicht: 105 g
- Gehäuse: Vollständig aus Metall, staub-, spritzwasser- und frostgeschützt bis -10 °C
- Elektronische Kommunikation: Beibehaltung des Autofokus (AF), Bildstabilisierung (IS) und Blendensteuerung

Telekonverter Olympus MC-20
Technische Daten
- Bajonettanschluss: Micro Four Thirds (MFT)
- Vergrößerungsfaktor: 2x (verdoppelt die Brennweite des Hauptobjektivs)
- Optisches Design: 9 Elemente in 4 Gruppen, einschließlich 1 HR-Linse (High Refractive)
- Lichtverlust: 2 Blendenstufen (2 EV)
- Beschichtung: ZERO (Zuiko Extra-low Reflection Optical) zur Reduzierung von Reflexionen und Geisterbildern
- Abmessungen: 59,8 mm (Durchmesser) × 25,9 mm (Länge)
- Gewicht: 150 g
- Witterungsbeständigkeit: Abdichtung gegen Staub, Spritzwasser und Frost bis -10 °C
- Elektronische Kommunikation: Erhält Autofokus (AF), Bildstabilisierung (IS) und Blendensteuerung
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