Wie man ein Makroobjektiv auswählt

Makrofotografie ermöglicht es, Details einzufangen, die dem menschlichen Auge entgehen: Texturen, Formen und Strukturen, die wir selbst aus nächster Nähe nicht sehen können. Um dies zu erreichen, benötigen wir jedoch ein Objektiv, das speziell für Nahaufnahmen entwickelt wurde.

Auf dem Markt gibt es viele Optionen, und nicht alle sind gleich gut oder nützlich. Also: Welches ist das beste Makroobjektiv für Einsteiger? In diesem Beitrag versuchen wir, diese Frage zu beantworten und die wichtigsten Punkte für die Wahl eines zuverlässigen Makroobjektivs darzulegen, das auch für Porträts, Produkt- oder Naturfotografie genutzt werden kann.

Brennweite ist wichtig (und wie!)

Einer der entscheidenden Faktoren bei einem Makroobjektiv ist seine Brennweite. Für den allgemeinen Gebrauch liegen die meist empfohlenen Objektive im Bereich von 90 mm bis 105 mm (im Vollformat, die Entsprechungen für andere Systeme finden Sie in der Tabelle unten). Warum? Weil sie den idealen Arbeitsabstand bieten: Man kann nah genug herangehen, um winzige Details zu erfassen, ohne direkt am Motiv kleben zu müssen. Das ist nicht nur bequemer, sondern verhindert auch, dass man Schatten wirft oder kleine Tiere erschreckt.

FormatCrop-FaktorEntsprechende Brennweite zu 90–105 mm FF
APS-C (1,5×)1,5×ca. 60–70 mm
APS-C (Canon)1,6×ca. 56–66 mm
Micro 4/32,0×ca. 45–52,5 mm

Darüber hinaus haben diese Brennweiten eine zusätzliche Qualität: Sie eignen sich sehr gut für Porträtfotografie. Die von ihnen gebotene Kompression betont die Gesichtszüge und ermöglicht gleichzeitig, die fotografierte Person vor einem weichen, unscharfen Hintergrund zu isolieren. Wenn wir hingegen eine kürzere Brennweite wie 50 mm oder 60 mm wählen (immer noch im Vollformat), ist Makrofotografie zwar möglich, aber nur, wenn wir uns fast auf das Motiv zubewegen, um die maximale Vergrößerung zu erzielen, und der Hintergrund wird präsenter, was man in der Regel vermeiden möchte. Deshalb ist für ein universelles Makroobjektiv der Bereich von 90–105 mm unser Ausgangspunkt (obwohl es andere Optionen gibt, wie in der am Ende dieses Artikels verlinkten Objektivauswahl gezeigt).

Vergrößerung 1:1, das echte Makro

Lassen wir uns nicht von Etiketten täuschen: Viele Objektive, auf deren Gehäuse „Makro“ steht, bieten keine echte Makrofähigkeit. Der ernsthafte Standard ist das Abbildungsverhältnis 1:1, das heißt, das fotografierte Objekt erscheint auf dem Sensor in Originalgröße aus der Beobachtungsdistanz. Natürlich ist nichts grundsätzlich falsch daran, mit kleineren Vergrößerungen zu fotografieren, und ein Fotograf kann mehr an Nahaufnahmen interessiert sein, bei denen die Motive im Kontext erscheinen, als am echten Makro. Wenn wir jedoch die Schuppen eines Schmetterlingsflügels oder die Textur eines Stoffes in voller Schärfe sehen wollen, benötigen wir diese 1:1-Vergrößerung oder mehr.

Fokusbegrenzer

Einer der Gründe, warum sich manche Fotografen über Makroobjektive ärgern, ist deren langsamer oder unregelmäßiger Autofokus. Das ist kein Fehler, sondern eine natürliche Folge des großen Fokussierbereichs, den diese Objektive abdecken müssen: von wenigen Zentimetern bis unendlich.

Deshalb sollte ein gutes Makroobjektiv über einen Fokusbereichsbegrenzer verfügen. Diese Funktion ermöglicht es, den Bereich einzuschränken, in dem das Objektiv nach dem Fokuspunkt sucht (zum Beispiel nur zwischen 30 und 50 cm oder nur von 50 cm bis unendlich). Das Ergebnis: schnelleres und präziseres Fokussieren, sowohl für Makroaufnahmen als auch für Porträt- oder Produktfotografie. Ohne diesen Begrenzer kann der AF länger nach einem Fokuspunkt „suchen“, als gewünscht.

Wählrad eines Zuiko 60 mm f/2,8. Es kann von 0,19 m bis unendlich (gesamter Fokusbereich) eingestellt werden, um für jede Situation bereit zu sein; oder von 0,19–0,4 m und von 0,4 m bis unendlich. Hier muss man nur daran denken, das Rad korrekt einzustellen, sonst findet das Objektiv das Motiv nie und sucht weiter.

Arten des Autofokus

Nicht alle Autofokus-Motoren sind gleich. Jeder Typ hat seine Besonderheiten in Bezug auf Geschwindigkeit, Genauigkeit und Geräuschentwicklung, und diese Eigenschaften beeinflussen wesentlich, wie wir arbeiten.

Autofokus-TypHauptmerkmale
Ultraschallmotor (USM, SWM, HSM, etc.)Schnelles, leises und präzises Fokussieren. Ideal für Porträts und Naturaufnahmen.
Schrittmotor (STM, PZD, etc.)Sanftere und leisere Bewegung, geeignet für Video und Feinfokus in Makroaufnahmen.
Linearmotor (LM, XD, VCM, etc.)Extrem schnell und präzise, hervorragend für das Tracking kleiner Motive.
DC- oder traditioneller MikromotorLauter und langsamer. Häufig bei älteren oder preiswerten Modellen.

Hier ist eine Tabelle mit dem Motortyp der Referenzobjektive für die wichtigsten Bajonette:

Makro-ObjektivSystem / BajonettFokussiermotor
Canon EF 100mm f/2.8L Macro IS USMCanon EF (Vollformat)USM (ultraschall)
Canon RF 100mm f/2.8L Macro IS USMCanon RF (Spiegellos)Dual Nano USM (Hybrid-Ultraschall)
Nikon AF-S 105mm f/2.8G VR MicroNikon F (Vollformat)SWM (Silent Wave Motor – ultraschall)
Nikon Z MC 105mm f/2.8 VR SNikon Z (Spiegellos)STM (Schrittmotor)
Sony FE 90mm f/2.8 Macro G OSSSony E (Vollformat)DDSSM (piezoelektrischer Ultraschallmotor)
Fujifilm XF 80mm f/2.8 R LM OIS WR MacroFujifilm X (APS-C)LM (Linearmotor)
Olympus M.Zuiko 60mm f/2.8 MacroMicro 4/3MSC (Movie & Still Compatible – Schrittmotor)
Panasonic Leica 45mm f/2.8 Macro-ElmaritMicro 4/3Schrittmotor AF (sehr leise)
Tokina ATX-i 100mm f/2.8 MacroCanon EF / Nikon FDC-Mikromotor
Sigma 105mm f/2.8 DG DN Macro ArtSony E / L-MountHSM (ultraschall)

Optische Stabilisierung

Makrofotografie ist eine äußerst bewegungsempfindliche Disziplin, denn bei hohen Vergrößerungen wird jede kleine Verwacklung sichtbar. Deshalb kann, auch wenn ein Stativ oft unverzichtbar bleibt, eine optische Stabilisierung (OIS oder VR) im Objektiv den Unterschied ausmachen, wenn man aus der Hand fotografiert.

Wenn unsere Kamera über eine Stabilisierung im Gehäuse (IBIS) verfügt, wird dies ausgeglichen. Andernfalls bietet ein stabilisiertes Objektiv mehr Flexibilität, selbst in allgemeinen Situationen wie Porträts bei schwachem Licht oder Naturaufnahmen bei Sonnenaufgang.

Blende f/2.8: Licht und Bokeh im Gleichgewicht

Obwohl man in der Makrofotografie oft mit kleinen Blenden (f/8, f/11 oder sogar f/16) arbeitet, um die Schärfentiefe zu erhöhen, bietet eine Blende von f/2.8 genau das, was wir zu Beginn betont haben: Vielseitigkeit.

Mit f/2.8 können wir Porträts mit weichem Bokeh aufnehmen und mit dem Umgebungslicht spielen, ohne den ISO-Wert zu stark erhöhen zu müssen (auch wenn technologische Fortschritte dieses Problem bei modernen Kameras immer weniger relevant machen). Außerdem erlaubt diese Blende bei allgemeineren Aufnahmen oder außerhalb der Makrofotografie eine leichtere Freistellung von Motiven. Kurz gesagt: Ein ultrahelles Makroobjektiv ist nicht notwendig. F/2.8 ist der Sweet Spot zwischen Leistung, Gewicht und Nutzen.

Optische Qualität

Fast alle modernen Makroobjektive sind scharf. Der eigentliche Unterschied liegt im Kontrast, in der Korrektur von Aberrationen und in der Leistung unter realen Bedingungen: hartes Licht, komplexe Hintergründe oder wechselnde Wetterbedingungen.

In der Makrofotografie ist eine Art optischer Fehler besonders problematisch: die chromatische Aberration. Dieses Phänomen tritt auf, wenn das Objektiv nicht alle Farben des Lichts auf denselben Punkt fokussiert, wodurch Kanten mit violetten, grünen oder blauen Farbtönen um hochkontrastreiche Konturen entstehen. In der Praxis kann dies sehr feine Details ruinieren, was in keiner Art von Fotografie wünschenswert ist, besonders aber in der Makrofotografie.

Das Problem verstärkt sich in der Makrofotografie aus zwei Gründen:

  1. Der Abstand zum Motiv ist sehr kurz, wodurch optische Unvollkommenheiten verstärkt werden.
  2. Der Kontrast zwischen Vordergrund und unscharfem Hintergrund kann extrem sein, was farbige Ränder verschärft, wenn das Objektiv nicht gut korrigiert ist.

Deshalb ist es wichtig, ein Makroobjektiv mit hochwertiger Optik zu wählen, das spezielle Elemente wie ED-Linsen (Extra-low Dispersion) oder apochromatische Linsen zur Kontrolle dieser Aberrationen verwendet

Verarbeitung und Ergonomie

Im Gegensatz zu anderen Genres, die in kontrollierteren Umgebungen praktiziert werden, führt uns die Makrofotografie oft an Orte, die unsere Ausrüstung stark beanspruchen: feuchte Gärten, staubige Wege, Rauch, umherfliegende Insekten… Deshalb ist die Verarbeitungsqualität des Objektivs eine praktische Notwendigkeit.

Ein gutes Makroobjektiv sollte gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet sein. Dieser Schutz verlängert nicht nur die Lebensdauer unserer Ausrüstung (Objektiv und Kamera – nicht die Letztere vergessen), sondern ermöglicht es uns auch, entspannter zu arbeiten, ohne uns über die vorgefundenen Bedingungen Sorgen machen zu müssen. Ebenso sollte das Gehäuse robust und gut zusammengebaut sein, mit engen Toleranzen und einem soliden Gefühl bei der Handhabung.

Zuletzt, und nicht weniger wichtig, ist der manuelle Fokusring. Auch wenn der Autofokus nützlich ist, bevorzugen viele Makrofotografen feine Einstellungen manuell vorzunehmen, um chirurgische Schärfe am gewünschten Punkt zu erzielen (z. B. am Auge eines Insekts oder am Staubblatt einer Blume). Ein breiter, sanfter Ring mit gutem Hub und präziser Reaktion ist entscheidend für diese Kontrolle, insbesondere beim Einsatz von Techniken wie Focus Stacking.

Zusammengefasst: ein Macro für alles

Ein Makroobjektiv muss nicht auf eine einzige Disziplin beschränkt sein. Gut gewählt kann es eines der nützlichsten und vielseitigsten Objektive in unserem Equipment sein. Die Kombination aus 90–105 mm Brennweite, echtem 1:1-Abbildungsmaßstab, Autofokus mit Begrenzung, Stabilisierung, optischer Qualität und robuster Konstruktion verschafft uns Zugang zur Welt des Winzigen, während sie gleichzeitig unsere Bedürfnisse (oder zumindest einen Teil davon) in Porträt, Natur, Produkt und sogar Video abdeckt.

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